Diese Energiestandards sollten Sie kennen...

Die Notwendigkeit Häuser energetisch zu optimieren und das Bewusstsein ökologischer mit der Umwelt und den Ressourcen umzugehen entstand in den 70er Jahren. 1977 ergab sich daraus die Wärmeschutzverordnung, darin wurden Mindeststandards für Bauteile festgelegt, die mit dem heutigen U-Wert vergleichbar sind. Nach 2 Novellierungen (1984 und 1995) wurde die Wärmeschutzverordnung 2002 von der Energieeinsparverordnung abgelöst. Diese bewertet nicht nur einzelne Bauteile, sondern das Gebäude in seiner Gesamtheit, mit der Geometrie und auch der eingesetzten Technik zum Heizen. Die in der EnEV festgehaltenen Mindest-U-Werte gelten, immer dann, wenn umfangreiche Baumaßnahmen an Einzelbauteilen wie Dach, Fassade, Fenster etc. durchgeführt werden. Außerdem geben sie Hinweise, welche Werte dem aktuellen Standard entsprechen.

EnEV

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) wurde inzwischen dreimal novelliert, 2004, 2009 und 2014. Die größte inhaltliche Änderung wurde 2009 mit der Umstellung des Rechenverfahrens vollzogen. Jetzt werden die Ergebnisse des Gebäudes immer mit einem fiktiven Referenzgebäude verglichen. Das fiktive Gebäude, das baugleich am selben Ort steht, wie das betrachtete Objekt, ist mit den von der EnEV gewünschten U-Werten und Technik ausgestattet. Dieses „EnEV Wunschhaus“ wird verglichen mit dem Ist-Zustand und den Varianten der energetischen Sanierung.
Der Ist-Zustand ist meist schlechter, als das EnEV Wunschhaus, aber mit einigen energetischen Maßnahmen lassen sich oft deutlich bessere Ergebnisse erzielen.

Transmissionswärmeverlust H‘T

Der Transmissionswärmeverlust beschreibt den Wärmeverlust durch die Bauteile. Aus den U-Werten des Gebäudes und den Flächenanteilen wird ein mittlerer U-Wert ermittelt, der mit dem des Referenzgebäudes (EnEV Wunschhaus) verglichen wird.

Primärenergiebedarf QP

In den Primärenergiebedarf fließen der ermittelte Wärmebedarf, die Bewertung der Technik (Anlagenaufwandszahl eP) und die Primärenergiefaktoren der EnEV ein. Die Primärenergiefaktoren bewerten die unterschiedlichen Energieträger wie Gas, Öl, Holz und Strom. Der errechnete Primärenergiebedarf wird dann mit dem des Referenzgebäudes (EnEV Wunschhaus) verglichen.
Die rechnerischen Werte der EnEV dienen der Vergleichbarkeit von Gebäuden und der Festlegung von energetischen Standards. Auch wenn ein Endenergieverbrauch rechnerisch ermittelt wird, ist er nicht unmittelbar mit tatsächlichen Verbräuchen zu vergleichen. Das Nutzerverhalten, die Betriebsweise der technischen Anlagen, der Standort und die jährlich schwankende Witterung haben oft einen großen Einfluss auf den tatsächlichen Verbrauch.

Das KfW-Effizienzhaus

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) hat umfangreiche Förderprogramme zum Thema energetische Sanierung. Neben der Förderung von einzelnen Maßnahmen, fördert sie auch ganzheitliche Sanierungen, die Effizienzhäuser. Die KfW nutzt die Bewertungskriterien der EnEV, H‘T und QP und belegt die Anforderungen der EnEV mit gestaffelten Zuschlägen.

Das Passivhaus

Das Passivhaus ist ein vom Passivhaus Institut zertifizierter Standard, der mit einem eigenen Rechentool (PHPP) berechnet wird. Sein berechneter Heizwärmebedarf liegt unter 15 Kilowattstunden/Quadratmeter und Jahr (15 kWh/(m²*a)), dies entspricht einem Verbrauch von ca. 1,5 Litern Heizöl pro m² beheizter Fläche und Jahr. Um dies zu erreichen wird das Gebäude mit einer wärmenden und luftdichten Hülle umschlossen. Das heißt: Dach, Fassade  und Boden sind stark gedämmt und die hocheffizienten Fenster nach der Sonneneinstrahlung ausgerichtet. Das Haus verliert also kaum Wärme und kann Sonnenwärme durch die Fenster einfangen. Eine herkömmliche Heizung ist für solche Gebäude nicht notwendig. Eine mechanische Lüftung versorgt die Räume stetig mit Frischluft, die Luft wird durch einen Wärmetauscher vorgewärmt. Idealerweise wird dafür die Wärme der Abluft zurückgewonnen (zentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung). Ein Passivhaus hat einen kleinen Restwärmebedarf und einen Energiebedarf für Warmwasser, der mit moderner Haustechnik gedeckt wird. Die Versorgung mit Haushaltsstrom wird beim Passivhaus rechnerisch nicht bewertet.

Das Niedrigenergiehaus

Seit etwa 30 Jahren gibt es den Begriff Niedrigenergiehaus, es ist aber kein definierter Standard, sondern ein allgemeines Versprechen, dass das Gebäude wärmegedämmt ist und die zur Zeit des Baus gültigen rechtlichen Anforderungen in gewisser Weise übertrifft. Auch für ältere Niedrigenergiehäuser kann die energetische Sanierung und das Erreichen eines KfW-Effizienzstandards eine interessante Option sein.

Das Plusenergiehaus

Das Plusenergiehaus erzeugt mehr Energie, als es verbraucht. Es ist sparsam, wie ein Passivhaus und nutzt effiziente Technik zur Erzeugung regenerativer Energie. Es werden zum Beispiel Photovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerke zur Stromerzeugung eingesetzt.

Niedrigstenergiehaus EU-Standard 2021

Die EU-Gebäuderichtlinie sieht einen Niedrigstenergie-hausstandard für alle Neubauten ab 2021 vor. Ihr Energiebedarf soll nahe null liegen (englischer Name „nearly zero-energy buildings“). So will die EU ihre Mitgliedsstaaten auffordern, die Effizienz ihrer Gebäude zu erhöhen. Zudem sollen auch Lösungen für Bestandsgebäude umgesetzt werden, damit der Niedrigstenergie-hausstandard auch dort erfolgreich Einzug findet. 


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